Institut für Volkswirtschaftslehre

                                       Fachgebiet Dienstleistungs- und Arbeitsmarktökonomik (520G)

                                                                    
                                                                    
Prof. Dr. Thomas Beißinger


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Lehre - Inhalte

Dienstleistungs- und Arbeitsmarktökonomik

Der Arbeitsmarkt ist kein Markt wie jeder andere. Die Arbeitsleistung ist untrennbar mit den die Arbeitskraft zur Verfügung stellenden Menschen verbunden und Arbeitseinkommen stellen für die meisten Menschen die wesentliche Einkommensquelle dar. Fehlentwicklungen auf dem Arbeitsmarkt führen daher neben den negativen Konsequenzen für die unmittelbar betroffenen Personen immer auch zu Problemen für die Gesellschaft insgesamt. Ohne fundierte Kenntnisse der Motive der auf dem Arbeitsmarkt handelnden Akteure oder der durch Arbeitsmarktinstitutionen geschaffenen Anreizstrukturen ist die Entwicklung und Erörterung wirtschaftspolitischer Lösungsansätze zur Behebung von Arbeitsmarktproblemen wenig zielführend. Aufgrund der zunehmenden Lohnungleichheit in den USA und der steigenden Arbeitslosigkeit in vielen europäischen Staaten setzen sich Ökonomen seit einigen Jahren in verstärktem Maße auch mit dem in allen Industrienationen zu beobachtenden Trend zur Deindustrialisierung auseinander. Im Blickpunkt der Diskussion sind die Ursachen des sektoralen Wandels sowie die sich hieraus ergebenden Konsequenzen für die Produktions- und Beschäftigungsstruktur. In diesem Zusammenhang stellt sich auch die Frage, ob und mit welchen wirtschaftspolitischen Maßnahmen das Beschäftigungs- und Innovationspotenzial der postindustriellen Dienstleistungsgesellschaft erschlossen werden kann.

Das Vertiefungsfach „Dienstleistungs- und Arbeitsmarktökonomik“ bietet neben einer fundierten theoretischen Ausbildung zur Beantwortung obiger Fragestellungen auch einen Einblick in die ökonometrischen Verfahren zur Überprüfung konkurrierender Theorien. Fallstudien und internationale Vergleiche institutioneller Regelungen runden das Vorlesungsangebot ab. Durch diese Verzahnung von Theorie und Empirie soll die „Praxisrelevanz“ des Faches gestärkt werden. Das Fach „Dienstleistungs- und Arbeitsmarktökonomik“ ist für alle Diplom-Ökonomen, die eine volkswirtschaftliche Tätigkeit aufnehmen wollen, ein empfehlenswerter Bestandteil ihrer Ausbildung. Aufgrund der detaillierten Analyse von Motiven und Anreizen der Arbeitsmarktakteure eignet sich diese Veranstaltung auch zur Kombination mit betriebswirtschaftlichen Vertiefungsfächern wie Personal und Organisation, Industriebetriebslehre oder internationales Management.

Arbeitsmarktökonomik I: Neoklassische Arbeitsmarkttheorie

Der erste Teil der Veranstaltung untersucht die Bestimmungsgrößen von Arbeitsangebot und Arbeitsnachfrage und diskutiert Fragen wie beispielsweise die Ausbildungsentscheidung von Individuen und die damit verbundenen Bildungsrenditen, die Wirkung wohlfahrtsstaatlicher Transferzahlungen auf das Partizipationsverhalten von Männern und Frauen oder die durch Steuerreformen ausgelösten Änderungen der Arbeitsnachfrage. Der zweite Teil führt Arbeitsangebot und Arbeitsnachfrage zusammen und diskutiert die Eigenschaften des Arbeitsmarktgleichgewichts in Abhängigkeit von den Wettbewerbsstrukturen auf dem Gütermarkt. Der dritte Teil der Veranstaltung widmet sich der Analyse der Lohnstruktur und zeigt beispielsweise auf, wie die Lohnentwicklung verschiedener Qualifikationsgruppen durch Immigration, internationalen Handel oder technischen Fortschritt beeinflusst wird.

Arbeitsmarktökonomik II: Unvollkommene Arbeitsmärkte

Die Annahme vollkommenen Wettbewerbs ist für Arbeitsmärkte in vielfacher Hinsicht unrealistisch. Löhne besitzen beispielsweise nicht nur eine Markträumungsfunktion, sondern stellen für den Arbeitgeber auch ein wichtiges Anreizinstrument dar, um die Fluktuation von Arbeitskräften zu verringern oder die Leistungsbereitschaft zu erhöhen. Verschiedene Effizienzlohntheorien zeigen auf, dass sich bei Berücksichtigung dieser Sachverhalte auf dem Arbeitsmarkt Arbeitslosigkeit einstellen kann, deren Höhe durch institutionelle Regelungen, z.B. hinsichtlich der Ausgestaltung der Arbeitslosenunterstützung oder des Kündigungsschutzes beeinflusst wird. In vielen kontinentaleuropäischen Ländern besitzen außerdem Gewerkschaften einen großen Einfluss auf Lohnhöhe und Lohnstruktur. Aus diesem Grunde werden das gewerkschaftliche Verhalten und die Konsequenzen tarifvertraglicher Regelungen einer genaueren Untersuchung unterzogen. Internationale Vergleiche von institutionellen Regelungen, Arbeitsmarktreformen und anderen wirtschaftspolitischen Maßnahmen geben Aufschluss darüber, auf welche Weise die Arbeitslosigkeit reduziert werden kann.

Dienstleistungsökonomik

Im ersten Teil der Veranstaltung werden theoretische Ansätze zur Erklärung des sektoralen Strukturwandels und deren empirische Überprüfung vorgestellt. Der zweite Teil zeigt auf, welche Lehren aus einem internationalen Vergleich der Lohn- und Beschäftigungsstruktur im Dienstleistungsbereich und Produzierenden Gewerbe gezogen werden können. Mögliche Beschäftigungs- und Innovationspotenziale des Strukturwandels sind Gegenstand des dritten Teils der Veranstaltung. Hier wird zunächst diskutiert, ob die Hypothese von der sogenannten Dienstleistungslücke in Deutschland gerechtfertigt erscheint und auf welche Weise die Beschäftigung im Niedriglohnbereich ausgedehnt werden kann. Anschließend wird das Ausmaß der Innovationstätigkeit und der Wissenspillovers im Dienstleistungsbereich beschrieben. Der vierte Teil der Veranstaltung beschäftigt sich schließlich mit den Bestimmungsgründen und der Liberalisierung des internationalen Dienstleistungshandels.

Seminar zu Dienstleistungs- und Arbeitsmarktökonomik

In diesem Seminar werden aktuelle Fragen der modernen Arbeitsmarktforschung oder wichtige Entwicklungen im Dienstleistungsbereich diskutiert.

Arbeitsmarktinstitutionen in Europa

Institutionen sind normative Regelwerke oder dauerhafte Muster sozialer Beziehungen. Der Arbeitsmarkt zeichnet sich durch eine Reihe besonderer Institutionen aus, die das Verhalten der Akteure wesentlich beeinflussen. So geben beispielsweise der Kündigungsschutz, die Arbeitslosenversicherung und die kollektiven Verhandlungen zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern die Rahmenbedingungen vor, in denen sich der Lohnbildungsprozess abspielt. Ziel dieser Veranstaltung ist es, den Studierenden anhand ausgewählter Modelle die Wirkungsweise dieser Institutionen auf Lohnhöhe, Beschäftigung und Arbeitslosigkeit zu vermitteln. Es werden internationale Vergleichsstudien herangezogen, mittels derer die institutionelle Dichte auf den Arbeitsmärkten der OECD-Länder verglichen und die theoretischen Wirkungszusammenhänge empirisch überprüft werden. Aufgrund der großen Unterschiede in Bezug auf die institutionelle Ausgestaltung der Arbeitsmärkte wird besonderes Augenmerk auf die Gegenüberstellung des angloamerikanischen Raums und Kontinentaleuropa gelegt. Die schlechte Arbeitsmarkt-Performance einiger europäischer Länder wirft die Frage auf, welcher institutionelle Reformbedarf besteht, um zu einer nachhaltigen Verringerung der Arbeitslosigkeit zu gelangen.